Die Wilde Wiese – Entschleunigung unter dem Sternenzelt

Die Wilde Wiese im Spreewald ist kein gewöhnlicher Campingplatz – sie ist ein Rückzugsort für alle, die den Klängen der Natur lauschen und die Umgebung entdecken wollen. Inmitten der idyllischen Fließlandschaft von Burg gelegen, bietet sie eine rare Kombination aus Ursprünglichkeit und Ruhe – «Bio-Lärm» vom Feinsten. Abends begleiten dich das sanfte Plätschern des Wassers und ein Himmel voller Sterne, morgens erwachst du mit dem Zwitschern der Vögel.


Ein Beitrag von Sibylle Trenck-Germann

Steffen von der Wilden Wiese begrüßt uns und alle ankommenden Gäste mit Herzlichkeit und guter Laune. FOTO Antje Müller

Wo die Seele zwischen Wiese und Wasser baumeln darf

Wenn du die Wilde Wiese betrittst, lässt du den Alltag hinter dir. Nur du, dein Zelt und die Natur – kein Lärm, kein künstliches Licht. Der kleine Zeltplatz mit eigenem Bootsanleger liegt eingebettet in der stillen Flusslandschaft des Spreewalds, direkt am Südumfluter – ein künstlich angelegter Wasserlauf, der geschaffen wurde, um die Wasserverteilung im Spreewald zu regulieren und Hochwasser zu vermeiden. Die charmanten Sitzgelegenheiten im Vintage Chic oder Marke Eigenbau laden euch zum Chillen und Schnacken ein – macht’s euch gemütlich!

Hier geht es nicht um Komfort im klassischen Sinne, sondern um das Wesentliche. Die sanitären Anlagen sind einfach, aber sehr gut gepflegt: Duschen und Toiletten sind für alle Gäste vorhanden – und ja, sogar ein Plumpsklo, das zur rustikalen Erfahrung einlädt. Zwar gibt es keine elektrischen Kochstellen oder Kühlschränke, aber dein Handy oder Tablet kannst du problemlos vor Ort aufladen und Camping-Grill oder Gaskocher kannst du auch mitbringen.

Die Wilde Wiese liegt direkt am Südumfluter – Magie der Natur pur. FOTOS Antje Müller

Nachts wird es dunkel, richtig dunkel. Eine Taschenlampe ist hilfreich, aber eigentlich ist es das Sternenlicht, das hier den Weg weist. Musikboxen bleiben zu Hause, denn die Natur übernimmt hier die Playlist – die Geräuschkulisse ist bereits perfekt: Wind in den Bäumen, Grillenzirpen und das leise Rauschen des Fließes. Wer hier zeltet, entscheidet sich bewusst für Einfachheit. Wer kein eigenes Zelt mitbringt, kann eines der liebevoll eingerichteten Glamping-Zelte direkt am Wasser buchen – eine gemütliche Alternative für alle, die Komfort und Natur verbinden möchten oder kein eigenes Zelt besitzen.

Regional genießen – unkompliziert und lecker

An der Bar gibt es eine Auswahl an Kaltgetränken, frisch gezapftem Bier und Kaffee. Und wenn der kleine Hunger kommt? Dann wartet ein Snackautomat mit Chips, Süßigkeiten und sogar Bratwurst auf dich – charmant und unkompliziert. Wer sich selbst versorgen möchte, findet in Burg und Vetschau Supermärkte, Bäckereien und alles für den täglichen Bedarf. Besonders reizvoll sind die kleinen Hofläden in der Umgebung, wo frische Produkte direkt vom Bauern angeboten werden – vom Gemüse bis zu Eiern und Honig.

Ein echtes Highlight sind die Wochenmärkte: In Burg (ca. 5.5 km) gibt es auf dem Wochenmarkt jeden Dienstag und Freitag von 8:00 – 17:00 Uhr saisonale Spezialitäten, Backwaren, Milch- und Fleischprodukte und typische Spreewälder Erzeugnisse aus lokalen Manufakturen – darunter Marmeladen, Säfte, Leinöl, Meerrettich und natürlich die berühmten Spreewälder Gurken. In Vetschau (ca. 8 km) findet der Wochenmarkt jeden Donnerstag von 8:00 – 13:00 Uhr auf dem Marktplatz statt – ideal für einen kleinen Ausflug.

Vom Traum zur Wiese – Neuanfang am Wasser

Die Wilde Wiese wurde von Johanna und Steffen Emmerling gemeinsam aufgebaut. Zusammen hängten sie ihre Berufe in Berlin kurzerhand an den Nagel, erfüllten sich ihren Traum etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und eröffneten im Jahr 2020 in ihrer alten Heimat den Zeltplatz mit Bootsverleih.


Das Unkraut stand zwei Meter hoch und es waren noch keine Boote und Kähne da – wir haben bei fast Null angefangen und unsere Wiese Stück für Stück aufgebaut.
— Steffen Emmerling

Als sich die Chance ergab sich für das Grundstück vom alten Jägerhof zu bewerben, haben sie diese gepackt, um für den Job nicht mehr nach Berlin pendeln zu müssen. «Da war am Anfang eine große Wiese direkt am Wasser. Das Unkraut stand zwei Meter hoch und es waren noch keine Boote und Kähne da – wir haben bei fast Null angefangen und unsere Wiese Stück für Stück aufgebaut», fasst Steffen die Entstehungsgeschichte zusammen. Bei der Ausstattung haben sie Freunde und Nachbarn tatkräftig unterstützt, alte Möbel wurden im Vintage Chic recycelt und fanden auf der Wiese ein neues Zuhause.

Ob Wegweiser oder Glamping-Zelt – auf der Wilden Wiese steckt in jedem Detail viel Herzblut und Seele. FOTOS Antje Müller

Die Saison auf der Wilden Wiese beginnt zu Ostern im April und reicht bis in den goldenen Herbst, Anfang Oktober hinein. In dieser Zeit treibt das Leben entspannt am Wasser – mit Gästen, Booten und Zelten. Wenn der Herbst sich verabschiedet und die Wiese zur Ruhe kommt, widmen sich Johanna und Steffen dem Winterbetrieb: Sie sorgen für ausreichend Holz, erledigen Reparaturen und gönnen sich zwischendurch wohlverdiente Erholung in den Ferien.

Ein buntes Durcheinander aus Nah und Fern

«Zu uns kommen Leute, die Ruhe und Natur im Spreewald suchen, paddeln möchten und das Zelten lieben. Wir hatten tatsächlich schon Leute von fast allen Kontinenten bei uns zu Gast. Vor kurzem hatten wir Gäste aus Brasilien – aus Australien und Vietnam hatten wir auch schon Besuch. Aus den USA reisen sogar regelmäßig Gäste an, die schon zum zweiten oder dritten Mal hierherkommen. Sie stammt aus Berlin, ihr Partner ist Amerikaner – und das Paar bringt dann auch Bekannte mit», berichtet uns Steffen über die internationale Fangemeinde.


Zu uns kommen Leute, die Ruhe und Natur im Spreewald suchen, paddeln möchten und das Zelten lieben. Wir hatten tatsächlich schon Leute von fast allen Kontinenten bei uns zu Gast.
— Steffen Emmerling

Sie alle finden den Weg zur Wilden Wiese, weil sie diese Wohlfühloase zu schätzen wissen. Auch aus ganz Deutschland zieht es Gäste hierher – für Ferien oder einen spontanen Wochenendausflug zum Durchatmen im Grünen. Vom Teenager bis zu Oma und Opa – selbst Menschen ohne Camping-Erfahrung haben diesen charmanten Flecken Erde für sich entdeckt.

Rücksicht und Ruhe im Einklang mit Flora und Fauna

Die Lage am Wasser verleiht der Wilden Wiese ihre stille Magie. Gäste können sich ein Kajak (2-Sitzer) oder einen Kanadier (2-,3-,4-Sitzer) ausleihen und die Fließe auf eigene Faust erkunden. Das Angebot umfasst Schwimmwesten für Erwachsene und Kinder, wasserdichte Tonnen sowie Karten für Wasserwanderungen. Für Gruppen ab zwölf Personen werden auch traditionelle Kahnfahrten angeboten – eine entspannte Möglichkeit, den Zauber des Spreewalds aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

Kajak und Kanadier – alles parat zum Wasserwandern. FOTO Antje Müller

Johanna und Steffen legen großen Wert auf Rücksichtnahme: Haustiere sind nicht erlaubt, um die Tierwelt zu schützen, und auch laute Musik oder große Gruppen passen nicht zum Konzept. Stattdessen steht das Erlebnis im Vordergrund – das bewusste Abschalten, das Eintauchen in die Stille, das Entdecken der Flora und Fauna.

Der Platz ist ausschließlich für Zelte vorgesehen – Stellflächen für Camper, Wohnmobile oder Vans sind nicht verfügbar. Für die Ausrüstung und das Gepäck stehen praktische Bollerwagen bereit, mit denen sich alles bequem vom Parkplatz bis zur Wiese transportieren lässt.

Bollerwagen für Gepäck – bequem vom Parkplatz bis zur Wiese. FOTO Antje Müller

Heimat mit Haltung und Weitblick

Im Spreewald tut sich was: Immer mehr Menschen kehren nach Jahren in der Ferne zurück und gestalten ihre Heimat neu – mit frischen Ideen, Welterfahrung und dem Wunsch nach einem sinnvollen Leben im Einklang mit der Natur.

«Es gibt immer mehr Leute in unserer Region, die hier etwas auf die Beine stellen. In meinem Freundeskreis sind viele nach der Lehre in die alten Bundesländer gegangen und kommen mit Ende 30 oder 40 wieder zurück», fasst Steffen die aktuelle Entwicklung in der Region zusammen. Johanna und Steffen sind viel gereist, haben unterschiedliche Kulturen kennengelernt und dabei vielfältige Erfahrungen gesammelt. Aus all dem ist ihr neues Lebenskonzept entstanden – verwurzelt in der Heimat, aber geprägt von der Welt.


Wir arbeiten ohne Verbotsschilder, sondern geben lieber Empfehlungen – zum Beispiel, wo sich schöne Picknickplätze finden lassen. Verbotsschilder fetzen nicht.
— Steffen Emmerling

Ein freundlicher Umgangston ist auf der Wilden Wiese selbstverständlich. FOTO Antje Müller

Mit dieser Haltung sind sie nicht allein: Auch andere Menschen der Region, die viel von der Welt gesehen haben, gehen ähnliche Wege. Besonders die jüngere Generation im Spreewald baut sich nach und nach etwas Eigenes auf – oder übernimmt mit frischem Wind das elterliche Geschäft, zum Beispiel bei Unternehmen die Paddelboote verleihen oder Kahnfahrten durchführen.

Auf der Wilden Wiese gibt es zwar eine Platzordnung, doch das Besondere ist der Umgang damit: «Wir arbeiten ohne Verbotsschilder, sondern geben lieber Empfehlungen – zum Beispiel, wo sich schöne Picknickplätze finden lassen. Verbotsschilder fetzen nicht», bringt Steffen die Philosophie auf den Punkt. Auch bei der Anreise bleibt es unkompliziert: Wer später als 19:00 Uhr eintreffen möchte, meldet sich einfach kurz via Telefon – und schon ist alles geritzt.


Geben und Nehmen – so wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus.
— Steffen Emmerling

Johanna und Steffen treten allen Menschen höflich und respektvoll gegenüber und pflegen diese Einstellung in ihrer täglichen Begegnung mit Menschen. Für Steffen gilt das Prinzip «Geben und Nehmen – so wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus.» Diese Haltung zeigt sich nicht nur im persönlichen Gespräch, sondern auch im Umgang mit Vielfalt. Auf der Wilden Wiese sind alle Menschen willkommen – ganz gleich, ob sie mit oder ohne Zelt und aus Nah oder Fern anreisen. Damit wurde mit der Wilden Wiese ein Ort geschaffen, an dem gegenseitige Achtung und gelebte Toleranz selbstverständlich sind. Vielen Dank!


Adresse und Kontakt

Wilde Wiese 
Erste Kolonie 42
03096 Burg (Spreewald)

wildewiese-spreewald.de

Tel.: +49 151 29013201 
E-Mail: info@wildewiese-spreewald.de

Öffnungszeiten
18. April – 5. Oktober 2025 

Zeltplatz
Anreise ab 14.00 – 19.00 Uhr
Abreise bis 11.00 Uhr​

Boote
10.00 Uhr – 16.00 Uhr (Letzte Bootsausgabe)


Weitere Interviews im Spreewald

Anreise

  • Von Berlin nach Burg (Spreewald)

    • Mit der Regionalbahn RE2 vom Berliner Hauptbahnhof oder S+U Alexanderplatz bis Vetschau

    • Weiterfahrt: von Vetschau mit dem Bus Linie 38 nach Burg (ca. 15 Minuten)

    • Reisezeit: ca. 2 Stunden, je nach Verbindung und Tageszeit

    Von Dresden nach Burg (Spreewald)

    • Mit der Regionalbahn RE18 von Dresden nach Cottbus

    • Umsteigen: in die Regionalbahn RE2 Richtung Berlin bis Vetschau

    • Weiterfahrt: von Vetschau mit dem Bus Linie 38 nach Burg (ca. 15 Minuten)

    • Reisezeit: etwa 2,5 bis 3 Stunden, je nach Verbindung und Tageszeit

    Von Leipzig nach Burg (Spreewald)

    • Mit der Regionalbahn RE10 oder einem IC/ICE nach Cottbus Hauptbahnhof

    • Weiterfahrt: Vom Bahnhof Cottbus mit dem Bus Linien 44/47 nach Burg (ca. 30 Minuten)

    • Reisezeit: etwa 2.5 bis 3 Stunden, je nach Verbindung und Tageszeit

    DB-Fahrplan Burg (Spreewald) 

  • Spreeradweg von Berlin nach Burg: Der rund 356 km lange Spreeradweg führt entlang der Spree durch abwechslungsreiche Landschaften, inklusive dem malerischen Spreewald.

    spreewald-info.de/rad/spreeradweg

    Mit dem Auto stellt die A13 die direkte Verbindung zwischen dem Spreewald, Berlin und Dresden her.

    • Für die Anreise nach Burg (Spreewald) am Spreewald-Dreieck auf die A15 wechseln und die Ausfahrt Vetschau nehmen. Von dort aus führt die Beschilderung bequem bis nach Burg.

    GoogleMap Burg

  • Mit dem Fahrrad

    • Von der Ortsmitte in Burg aus radelst du gemütlich entlang der Naundorfer Straße oder über kleine Wege durch die Wiesen

    • Die Strecke ist etwa 5.5  km lang und die Fahrt dauert ca. 17 Minuten

    Mit Bus 38 (Richtung Vetschau)

    • Steig an der Haltestelle Burg (Spreewald) Schule oder Burg Bleske in die Buslinie 38 ein

    • Fahre in Richtung Vetschau Busbahnhof

    • Steig an der Haltestelle Naundorfer Straße aus, von hier sind es noch 2.4 km und 30 Minuten zu Fuss

    • Der Bus fährt mehrmals täglich, etwa alle 3 Stunden, Betriebszeiten sind von ca. 05:11 bis 20:35 Uhr

    Mit dem Auto

    • Fahre von der Ortsmitte Burg über die Hauptstraße Richtung «Erste Kolonie»

    • Die Strecke ist etwa 5.5  km lang und die Fahrt dauert ca. 5–10 Minuten

    • Parkplätze gibt es direkt bei der Wilde Wiese

 
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Spreewaldzauber – Vielfalt entlang der Fließe in Burg und Lehde

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Bruno’s Billard Kneipe – ein kultureller Treffpunkt mit Charakter