Spreewaldzauber – Vielfalt entlang der Fließe in Burg und Lehde

Zwischen den stillen Fließen der Spree und den uralten Erlenwäldern liegt eine Region, die seit Jahrhunderten vom Rhythmus der Natur und der Kultur ihrer Menschen geprägt ist. Der Spreewald ist nicht nur ein landschaftliches Kleinod im Südosten Brandenburgs – er ist auch Heimat der sorbischen Bevölkerung, deren Sprache, Bräuche und farbenfrohe Feste das Leben hier bis heute bereichern.


Ein Beitrag von Sibylle Trenck-Germann

Das Freilandmuseum in Lehde.
FOTO Antje Müller

Paddeltour im Fließ des Spreewalds.
FOTO Philippe Oursel

Highlights in Burg und Lehde

Wo Fließe flüstern statt Straßen lärmen

Der Spreewald liegt im Südosten Brandenburgs, etwa 100 Kilometer südlich von Berlin und rund 20 Kilometer nordwestlich von Cottbus. Die Orte Burg und Lehde gehören zur Gemeinde Lübbenau und sind Teil des einzigartigen UNESCO-Biosphärenreservats Spreewald, das von einem weit verzweigten Netz aus Fließe – kleinen Wasserarmen der Spree – durchzogen ist. Diese Wasserwege prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch das Leben der Menschen hier. Lehde gilt als eines der ältesten und ursprünglichsten Dörfer im Spreewald, während Burg mit seinen drei Ortsteilen als flächenmäßig größtes Dorf Deutschlands bekannt ist.

Die Gemeinde Burg (niedersorbisch Bórkowy) liegt zentral im Oberspreewald und befindet sich im traditionellen Siedlungsgebiet der Sorben. Erstmals wurden Burg und Lehde 1315 urkundlich erwähnt. Als Zeichen kultureller Vielfalt werden öffentliche Einrichtungen, Straßen und Plätze nach und nach zweisprachig – auf Deutsch und Niedersorbisch – beschriftet.

Das Spreewalddorf Lehde (niedersorbisch Lědy) liegt ca. 23.5 Kilometer entfernt von Burg und gehört seit 1974 zur Stadt Lübbenau. Mit ca. 144 Einwohnern zählt es zu den ursprünglichsten Dörfern der Region. Das Museumsdorf steht unter Denkmalschutz und ist ausschließlich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf dem Wasser erreichbar. Vom Schlosspark Lübbenau aus beträgt der Fußweg etwa 25 Minuten – ideal für einen entspannten Ausflug.

Traditioneller Heuschober im Spreewald: Kunstvoll um die Schoberstange geschichtet, steht das Heu sinnbildlich für die lange Tradition der Landwirtschaft und die enge Verbindung von Natur und regionaler Kultur. FOTO Antje Müller

Im Rhythmus der Fließe

Der Spreewald ist ein Ort der Entschleunigung. Wer hierher kommt, lässt den Lärm der Städte hinter sich und taucht ein in eine Welt aus Wasser, Wiesen und Wäldern. Die Region ist ein Paradies für Naturliebhaber: Seltene Tierarten wie Fischotter und Eisvögel sind hier ebenso zuhause wie uralte Erlen und Schilfgürtel. In Burg laden Thermalquellen und Spreewald-Saunen zur Erholung ein. Die heilende Kraft der Natur ist hier spürbar.

Spreewald Therme – moderne Architektur im Einklang mit der Region: Seit 2005 verbindet die von 4a Architekten entworfene Anlage traditionelle Materialien wie Holz, Ziegel und Reet mit zeitgemäßem Design und schafft so eine harmonische Brücke zur Kulturlandschaft des Spreewalds. FOTO Antje Müller

Spreewaldleben mit Gurkenfässern und Postkahn

Traditionelles Staken im Herzen des Spreewalds: Mit ruhiger Hand und langem Stakenholz (Rudel) gleitet der Kahn durch die verschlungenen Fließe – eine jahrhundertealte Fortbewegungsart, die bis heute das Lebensgefühl im Spreewald prägt. FOTO Philippe Oursel

Das Highlight ist die Fahrt mit dem traditionellen Spreewaldkahn, eine Paddel-/Kanutour oder auch Stand-up-Paddling auf den ca. 300 natürlichen Wasserläufen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird in Lehde die Post von Frühjahr bis Herbst auf dem Wasserweg zu den Häusern im Dorf geliefert, was sie zu einer seltenen und bekannten Attraktion macht. In Burg lohnt sich ein Besuch der Kneippanlage «Barfußpark», wo ein Parcours aus 25 verschiedenen Untergründen, wie z.B. Holz, Sand, Glas und Steinen darauf wartet, mit den Fußsohlen ertastet zu werden. Eine ideale Tour für Familien auf dem Wasser ist die Paddelrunde zum Barfußpark. Die Strecke umfasst etwa acht Kilometer und vereint Naturerlebnis und Bewegung.

Ein Blick in die Vergangenheit: Das Freilandmuseum Lehde zeigt originalgetreu eingerichtete Bauernhäuser, traditionelle Handwerkskunst und sorbisch-wendische Bräuche. FOTOS Antje Müller

Das Freilandmuseum Lehde macht erlebbar, wie die Sorben und Wenden früher lebten, und bietet einen tiefen Einblick in die regionale Kultur.

Der knackige Biss in die berühmte Spreewaldgurke darf bei einem Ausflug in den Spreewald natürlich nicht fehlen – ob im Gurkenmuseum Lehde oder direkt vom Hofladen. Typische Sorten sind Gewürzgurken, Senfgurken, Salz-Dill-Gurken (auch Saure Gurken genannt), Knoblauchgurken, Pfeffergurken und Chiligurken, die im Glas oder direkt aus dem Fass im Spreewald erhältlich sind oder als Beilage zu traditionellen Gerichten gereicht werden.

FOTO Spreewaldverein e.V.

Egal ob mit Kindern oder zu zweit – der Spreewald bietet zwischen idyllischen Kahnfahrten, abwechslungsreichen Radwegen, spannenden Museen und beeindruckender Natur jede Menge Möglichkeiten zum Entdecken. Es gibt noch weitere Tipps für einen erlebnisreichen Tag im Grünen: Freizeit und Ausflugstipps im Spreewald

Vielfalt als Stärke

Der Spreewald ist Heimat der sorbischen Bevölkerung, deren Sprache und Bräuche bis heute gepflegt werden. Die Sorben, auch Wenden genannt, sind eine westslawische Minderheit, die seit Jahrhunderten im Spreewald lebt. Ihre Kultur ist geprägt von traditionellen Festen, farbenfrohen Trachten und der sorbischen Sprache. Besonders bekannt sind ihre kunstvoll verzierten Ostereier und die typischen Spreewaldkähne, mit denen sie sich durch das verzweigte Wasserlabyrinth bewegten. 

Diese kulturelle Vielfalt ist ein Schatz, den es zu bewahren gilt – gerade in Zeiten, in denen Ausgrenzung und Intoleranz wieder lauter werden. Traditionen bewahren und Neues begrüßen – im Spreewald ist beides möglich für ein friedliches Miteinander.

Auf leisen Pfaden durch die Auen

Die Wanderwege schlängeln sich durch uralte Laubwälder und idyllische Spreewalddörfer, vorbei an Fließen, Schleusen und Auen – bis hin zu Aussichtstürmen mit weitem Blick. FOTO Antje Müller

Die Wandertouren im UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald bieten Naturerlebnisse pur und Wanderfans finden in Burg und Umgebung zahlreiche gut ausgeschilderte Wege. Die Wanderwege sind zwischen fünf und 25 Kilometern lang und dank geringer Steigung für alle gut zu bewältigen. Sie führen durch alte Laubwälder, malerische Spreewalddörfer, entlang typischer Fließe, Schleusen und Spreewaldauen sowie zu Aussichtspunkten und Aussichtstürmen. Wandern im Spreewald bedeutet, sich Zeit zu nehmen – für die Natur, für Begegnungen und für Gedanken, die im Alltag oft zu kurz kommen.

Pedale trifft Paddel – Radeln durch die Wasserwelt

FOTO Philippe Oursel

Der Spreewald ist auch ein ideales Ziel für Radsportfans. Das flache Gelände und die gut ausgebauten Radwege machen Touren für alle Altersgruppen möglich. Besonders schön ist die Strecke von Burg nach Lehde, vorbei an Feldern, Wiesen und kleinen Gehöften.

Unterwegs laden zahlreiche Rastplätze zum Verweilen ein – und wer mag, kann auch sein Rad mit auf den Kahn nehmen. Hier findest du alle Radwege im Spreewald, sogar mit Start oder Ziel in Berlin.

Unsere Interviews im Spreewald

Anreise

 
Weiter
Weiter

Die Wilde Wiese – Entschleunigung unter dem Sternenzelt