Bruno’s Billard Kneipe – ein kultureller Treffpunkt mit Charakter

Bruno’s Billard Kneipe in Burg ist nicht nur ein uriger Treffpunkt – sie ist auch das Wohnzimmer eines Mannes mit bewegter Vergangenheit. Bruno Krafczyk, der charismatische Inhaber, war in der ehemaligen DDR Teil der experimentellen Reggae-Band «AUT», die sich mit ungewöhnlichen Klängen und subversivem Humor einen Namen in der alternativen Musikszene machte.


Ein Beitrag von Sibylle Trenck-Germann

Das Eingangstor zu Bruno’s Welt und Porträt von Bruno Krafczyk während des Interviews. FOTOS Antje Müller

Ein Wohnzimmer voller Geschichten

Wer Bruno’s Billard Kneipe in Burg betritt, spürt sofort: Hier geht es um mehr als nur Bier und Billard. Zwischen den Sesseln, die Geschichten erzählen, dem leisen Klack der Billardkugeln und dem Duft von Holz und Nostalgie lebt ein Stück ostdeutscher Musikgeschichte weiter. Denn Bruno ist nicht nur Kneipier – er war Musiker in einer der ungewöhnlichsten Reggae-Formationen der DDR – der Band «AUT». Das ehemalige Stallgebäude und spreewaldtypische Fachwerkhaus – die heutige Billard-Kneipe – wurde von Bruno bereits 1980 als Wohnung und Proberaum genutzt.

Ursprünglich arbeitete Bruno hauptberuflich als Steinmetz, doch seine Leidenschaft galt der Musik. Zunächst nebenberuflich aktiv, wurde er später Vollzeitmusiker bei «AUT», die als einzige Band mit Reggae in der DDR unterwegs war und über 200 Konzerte spielte. Als «eine völlig verrückte Zeit» fasst Bruno diesen Lebensabschnitt zusammen.


Die Wende war dann aber ein Schlag ins Gesicht für unsere Band, da die Kulturgelder gestrichen wurden und sich das Interesse auf internationale Bands verlagerte.
— Bruno Krafczyk

Kurz nach der Wende gab's sogar ein Konzert in der Ukraine. «Die Wende war dann aber ein Schlag ins Gesicht für unsere Band, da die Kulturgelder gestrichen wurden und sich das Interesse auf internationale Bands verlagerte.», erinnert sich Bruno rückblickend. Der Beruf als Steinmetz hat ihn nach der Wende gerettet und er baute das ehemalige Stallgebäude mit tatkräftiger Unterstützung zur Billard-Kneipe mit Konzertbühne um. Die Kneipe war über Jahre hinweg ein pulsierender Ort – voll bis auf den letzten Hocker – ein lebendiger Treffpunkt für alle: vom jungen Lehrling bis zum junggebliebenen Rentner und für bunte Familien.

Über viele Jahre war ein Billardclub Stammgast – regelmäßig trafen sich die Mitglieder hier zum Spiel und zum Austausch. Die Kugeln rollen auch auch heute noch. FOTO Antje Müller

DDR-Reggae – eine musikalische Nische

In den 1980er Jahren war die DDR musikalisch stark reglementiert. Doch in den Nischen der Subkultur entstanden Klangwelten, die sich dem offiziellen Kulturapparat entzogen. Die Band «AUT» war Teil dieser Bewegung – eine experimentelle Reggae-Gruppe, die sich mit ironischen Texten, karibischen Rhythmen und einem Schuss Anarchie gegen die Normen stellte. Bruno war mittendrin: als Musiker, Ideengeber und kreativer Mitgestalter.

Ein besonders kurioses Stück aus dieser Zeit ist der Song «Maracuja Cola Pink» – ein Titel, der klingt wie ein Getränk aus einem surrealen Traum. Der Song verbindet Konsumkritik mit psychedelischer Bildsprache und ist ein Paradebeispiel für den Humor und die musikalische Freiheit, die «AUT» kultivierte.

«Maracuja Cola Pink» – das Musikvideo zum Song von AUT sorgte für bunte Vibes.

Ein Leben im Takt der Vielfalt

Nach der Wende zog sich Bruno aus dem aktiven Musikbetrieb als Saxophonist zurück, doch die Leidenschaft blieb. Heute betreibt er seine Kneipe in Burg – ein Ort, der genauso eigenwillig und charmant ist wie seine musikalische Vergangenheit. Wer Glück hat, erlebt ihn bei einer spontanen Saxophon-Improvisation oder wird Zeuge einer Anekdote aus den wilden Zeiten der DDR-Subkultur.

Heute treffen sich Einheimische und Gäste aus aller Welt in Bruno’s Billard Kneipe, um bei einem entspannten Feierabendbier die gemütliche Atmosphäre zu genießen. Besonders an warmen Sommerabenden lädt die Terrasse im Grünen zu weltoffenen Gesprächen ein. Zum Jahreswechsel wird es immer noch musikalisch – dann sorgen Musiker:innen bei spontanen Sessions für gute Stimmung und einen klangvollen Start ins neue Jahr.


In der Band spielte unter anderem ein Musiker aus Mosambik mit, der schon damals in der DDR lebte. Auch ein Student aus Trinidad und Tobago war regelmäßig dabei – er hat oft bei uns gesungen und mitgespielt.
— Bruno Krafczyk

Die Kneipe ist damit nicht nur Treffpunkt für Einheimische und Billardfans, sondern auch ein lebendiges Archiv ostdeutscher Musikgeschichte. Bruno selbst ist das Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart – ein Mann, der einst mit Reggae gegen das System spielte und heute mit Geschichten und Musik die Herzen seiner Gäste berührt.

Bruno galt schon zu DDR-Zeiten als weltoffener und toleranter Mensch – nicht nur im Alltag, sondern auch auf der Bühne. «In der Band spielte unter anderem ein Musiker aus Mosambik mit, der schon damals in der DDR lebte. Auch ein Student aus Trinidad und Tobago war regelmäßig dabei – er hat oft bei uns gesungen und mitgespielt», fasst Bruno seine Erinnerungen an eine Zeit zusammen, in der Musik nicht nur Töne verband, sondern Menschen aus aller Welt.

Für ihn war die Bühne stets mehr als ein Ort für Konzerte – sie war ein Raum gelebter Vielfalt. Auch viele Menschen aus Kuba, die in der DDR heimisch waren, gehörten zur lebendigen Gemeinschaft rund um die Band. Besonders prägend waren für Bruno die internationalen Studentensommer, bei denen er zahlreiche herzliche Freundschaften knüpfte – Begegnungen, die ihn bis heute begleiten und seine Sicht auf die Welt nachhaltig geprägt haben.

Versteckt im satten Grün des Spreewalds: Bruno’s Billard Kneipe – ein uriges Fachwerkhaus mit Charme. FOTO Antje Müller

Erinnerung als Widerstand

In einer Zeit, in der viele kulturelle Spuren der DDR zu verblassen drohen, ist Bruno’s Billard Kneipe ein Ort der Erinnerung – nicht nostalgisch verklärt, sondern lebendig und widerständig. Hier wird nicht nur getrunken, sondern erzählt, gelacht und manchmal auch musiziert. Und irgendwo zwischen «Maracuja Cola Pink» und einer perfekt versenkten Billardkugel lebt der Geist einer Ära weiter, die sich nicht unterkriegen lässt. An den Wänden kleben bunte Sticker, die für Toleranz und Weltoffenheit stehen. Genau diese Stimmung macht den Ort so besonders – wir fühlen uns willkommen und kommen gerne wieder.

Hin und wieder wurden die Sticker für Toleranz und Weltoffenheit versucht zu entfernen – doch sie werden stets ersetzt. FOTO Antje Müller


Adresse
Bruno’s Billard Kneipe
Waldschlößchenstraße 53
03096 Burg (Spreewald)

Öffnungszeiten
20:00-2:00 Uhr


Weitere Interviews im Spreewald

Anreise

  • Von Berlin nach Burg (Spreewald)

    • Mit der Regionalbahn RE2 vom Berliner Hauptbahnhof oder S+U Alexanderplatz bis Vetschau

    • Weiterfahrt: von Vetschau mit dem Bus Linie 38 nach Burg (ca. 15 Minuten)

    • Reisezeit: ca. 2 Stunden, je nach Verbindung und Tageszeit

    Von Dresden nach Burg (Spreewald)

    • Mit der Regionalbahn RE18 von Dresden nach Cottbus

    • Umsteigen: in die Regionalbahn RE2 Richtung Berlin bis Vetschau

    • Weiterfahrt: von Vetschau mit dem Bus Linie 38 nach Burg (ca. 15 Minuten)

    • Reisezeit: etwa 2,5 bis 3 Stunden, je nach Verbindung und Tageszeit

    Von Leipzig nach Burg (Spreewald)

    • Mit der Regionalbahn RE10 oder einem IC/ICE nach Cottbus Hauptbahnhof

    • Weiterfahrt: Vom Bahnhof Cottbus mit dem Bus Linien 44/47 nach Burg (ca. 30 Minuten)

    • Reisezeit: etwa 2.5 bis 3 Stunden, je nach Verbindung und Tageszeit

    DB-Fahrplan Burg (Spreewald) 

  • Spreeradweg von Berlin nach Burg: Der rund 356 km lange Spreeradweg führt entlang der Spree durch abwechslungsreiche Landschaften, inklusive dem malerischen Spreewald.

    c spreewald-info.de/rad/spreeradweg

    Mit dem Auto stellt die A13 die direkte Verbindung zwischen dem Spreewald, Berlin und Dresden her.

    • Für die Anreise nach Burg (Spreewald) am Spreewald-Dreieck auf die A15 wechseln und die Ausfahrt Vetschau nehmen. Von dort aus führt die Beschilderung bequem bis nach Burg.

    GoogleMap Burg

  • Bruno’s Billard Kneipe befindet sich in der Waldschlößchenstraße 53, 03096 Burg. Von der Ortsmitte Burg aus (z.B. Kurpark oder Hafen):

    • Zu Fuß: Ein gemütlicher Spaziergang von etwa 15 bis 20 Minuten durch die ruhigen Straßen und vorbei an Spreewaldhäusern.

    • Mit dem Fahrrad: In ca. 5 bis 7 Minuten bist du da – ideal, wenn du ohnehin auf Radtour bist.

    • Mit dem Auto: Nur etwa 5 Minuten Fahrt, Parkplätze sind in der Nähe vorhanden.

 
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